16,9

169

Menschenskind, da wollte ich echt mal Blutspenden und dann darf ich nicht!
Aber immer schön der Reihe nach….

Meine Firma wird regelmässig von einem Blutspende-Bus der DRK besucht. Endlich hatte es letzte Woche für mich zeitlich gepasst und ich habe mir einen Termin zum Erstspenden gesichert.
Da ich mich seit Beginn diesen Jahres vegan ernähre, war ich bereits auf alle Argumente gefasst, die ein Blutspenden meinerseits verhindern würden, denn wir wissen ja alle, dass Veganer an akutem Mineralienmangel leiden und besonders das Eisen (dessen Wert sich beim Blutspenden deutlich absenkt) ist natürlich kaum in pflanzlicher Nahrung vorhanden. Da muss schon ein schönes Stück rotes Fleisch her.
Um gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen, habe ich direkt zu Beginn des Beratungsgespräches auf meinen Veganismus hingewiesen. Der nette Herr hat dann auch gleich sein schönstes Bedenkenträger-Face aufgesetzt und gemeint: “Dann schauen wir mal, ob der Wert ausreicht.”
So, Pieks ins Ohr, Blick aufs Messgerät: “Da kann was nicht stimmen.”
Also noch einmal. Pieks ins Ohr, Blick aufs Messgerät: “Glaub ich jetzt nicht! Das prüfen wir noch einmal.”.
Dritter Pieks ins Ohr, Blick aufs Messgerät, wieder ungläubiges Gesicht.
Ich war bereits auf die Absage wegen zu niedrigem HB-Wert gefasst, denn bei Frauen sollte es schon ein Wert zwischen 12 bis 15,5 g/dl sein.
Allerdings: Bääämm, ich hatte 16,9!!!!!
Von allen Anwesenden im Bus hatte ich den höchsten Wert, sei es Frau oder Mann. Mein gemessener Wert entspricht auch eher des Eisenwertes eines Mannes.
Das Ganze blieb dann natürlich auch nicht umkommentiert. Lautstark und wiederholt wurde mein HB-Wert verbreitet, immer schön mit dem Zusatz, dass ich doch Veganerin sei.
Ich wurde auch gefragt, ob ich Eisenpräparate zu mir nehme, was ich verneinen musste und damit wohl auch das Weltbild der lieben DRKler etwas durcheinander brachte. Man konnte sich nun wirklich nicht erklären, woher mein hoher Eisengehalt im Blut käme. Ich kann es übrigens auch nicht. Scheinbar ist meine Ernährung doch nicht so einseitig wie landläufig von diversen Hobby-Ernährungswissenschaftlern angenommen wird.

Schon vor meiner veganen Ernährung war mein Blutbild immer optimal. Der Eisengehalt war damals auch schon erhöht, was meine Hausärztin mit dem Kommentar belegte, dass ich ja viel Fleisch zu mir nehmen würde. Die Verblüffung war dann groß, als ich erklärte, dass ich bereits jahrzehntelang kein Fleisch mehr esse.
Also, nicht immer sind Veganer/Vegetarier blutarme Wesen, die vor sich hin vegetieren und ja, auch solche Kommentare musste ich bereits verdauen.

Seitdem habe ich natürlich jedem, der mir nicht entkommen konnte, meinen HB-Wert unter die Nase gerieben. Dies hat scheinbar solch bleibenden Eindruck hinterlassen, dass mich meine Schwester und ihr Freund mit einem T-Shirt mit Aufdruck “16,9” überraschten. Dieses trag ich jetzt mit Stolz ;)!

Jetzt fragt ihr euch sicher, warum ich dann wie eingangs erwähnt, doch kein Blut spenden durfte. Hier die Auflösung:

Ich habe laut O-Ton “süsse kleine Venen”, die nicht mit der dicken Blutentnahmenadel korrespondieren. Man suchte ewig nach einer Vene, die geeignet zum Blutspenden wäre, aber leider hatten die sich alle aus dem Staub gemacht. Schade, aber dies sei genetisch bedingt und in diesem Leben wohl nicht mehr zu ändern!

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