Bahnhölle, die II.

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Ok, ok, ich hab es langsam kapiert: die Bahn schafft es also wirklich keinen einzigen Tag ohne Verspätungen zu bleiben.

Immerhin wurde am Wortlaut des Fahrgastinformationssystems gearbeitet, welches am Bahnsteig über Verspätungen informiert. Wobei ich mich frage, welche Information meint die Bahn damit? Die Begründungen sind so schwammig formuliert, dass man meinen könnte, man hätte es mit politischen Aussagen zu tun. Wenn man diese wegliesse, würde man schneller zum eigentlichen Kern der Anzeige kommen: die Verspätungszeit!!
Eine kleine Kostprobe der aussagekräftigen Gründe:

Was das genau heißt, weiß kein Mensch und lässt Raum für Interpretationen. Eine Lieblingsbeschäftigung von mir ist es, die Zugbegleiter (Zub), Schaffner, Kundenbetreuer im Nahverkehr (KiN), Kontrolleure oder wie sie denn nun heissen, nach dem genauen Grund für die Verspätung zu fragen (wenn ich mal welche sehe). Die Bahn hält ihre Kunden nicht für die Schlausten, denn anders lassen sich die aberwitzigen Ausreden nicht erklären.
Hier nun meine Sammlung der schönsten und einfallsreichsten Begründungen:

  • Die Bahnkunden steigen am Bahnsteig immer nur an einer Tür ein, anstatt sich so zu verteilen, dass alle Türen genutzt werden können. Daher dauere das Ein- und Aussteigen so lange, dass der Zug nicht pünktlich vom Bahnhof weg kommt.
    -> Mal abgesehen davon, dass sich hierdurch wohl kaum Verspätungen von 30 min erklären lassen, sind die Kunden keine Hellseher. Woher sollen sie wissen, wo der Zug und dessen Türen nun tatsächlich halten. D.h. dass sich die Menschen nun mal da hinstellen, wo sie entweder sitzen können oder wettergeschützt unterstehen. Komischerweise schaffen es die Japaner ihre Züge so abzubremsen, dass diese zentimentergenau an Markierungen auf dem Bahnsteig halten. Diese Markierungen zeigen an, wo die Türen sind. Aber wollen wir mal nicht zu viel verlangen!
  • Wir müssen auf den Zug aus Frankfurt warten, der dann die Strecke wieder zurückfährt.
    -> Seltsam ist, dass zu besagter Uhrzeit kein Zug aus Frankfurt in Saarbrücken ankommt.
  • Nicht alle Lokführer dürfen Neigetechnik fahren. Daher kann in den Kurven nicht die volle Geschwindigkeit genutzt werden
    -> Aha, dies erklärt natürlich völlig plausibel eine 25-minütige Verspätung auf einer 30-minütigen Strecke. Ja, nee, is klar!
  • Im Herbst wird Laub auf den Schienen geweht. Regnet es dann noch, sei dies schlimmer als Schnee und Extremkälte. Man könne sich das überhaupt nicht vorstellen: Diese Witterungskombination aus der Hölle mache die Gleise so rutschig, dass das Tempo merklich gedrosselt werden muss.
    -> Mein absoluter Favorit!

Erst ein einzelner Mitarbeiter der Bahn war so ehrlich und hat zugegeben, dass die Bahn schlicht nicht genügend Zugmaterial und Personal hat. O-Ton: “Ist mir jetzt egal, ich sag es jetzt, wie es ist! Wir haben nicht genügend Züge etc. Ausserdem kann ich Ihnen jetzt schon sagen, dass es in Zukunft nicht besser wird.”. Der erste Satz hat mich dann doch hellhörig gemacht: Dürfen die Zubs und KiNs den Kunden vielleicht nicht die Wahrheit sagen? Gibt es da betriebsintern Kreativschulungen, bei denen die Mitarbeiter lernen, möglichst viele unterschiedliche Ausreden zu erfinden?
Wie dem auch sei, letzte Woche hatte ich aufgrund massiver Verspätung genügend Zeit, dieses Zettelchen neben dem Fahrkartenautomaten zu fotografieren:

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Ohne Worte, zumal zum 17.12. erneut die Fahrpreis erhöht wurden!

Update: ab Januar hab ich hoffentlich eine Mitfahrgelegenheit, so dass dieser Pendleralbtraum bald ein Ende hat!

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